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Führung heute

Was macht Führung in Zeiten von Digitalisierung, Agilität, Diversität und stetigem Wandel aus? Und was hat deas mit Perspektivwechsel zu tun?
Gerdt Fehrle | 18.05.2022
blog_fuehrung-heute © unsplash.com
 

Auf die Perspektive kommt es an

 

Schlechte Führung in Unternehmen gibt es genug. Man erkennt sie an: hohem Krankenstand, hoher Fluktuation, mangelnder Innovation, geringer Produktivität und niedrigem Cashflow. Was aber macht gute Führung aus? Denn gute Führung ist mehr als die Summe gesunder Kennzahlen.

Klar. Auf die Beziehung kommt es an. Und der Mensch steht im Mittelpunkt. Vor allem bei der berüchtigten Generation Z, ambitioniert, gut ausgebildet und verängstigt zugleich, sind angeblich Samthandschuhe gefragt. Doch nicht nur bei den jungen Leuten unter vierzig macht gute Führung den Unterschied. Aber worin liegt er? Dieser Unterschied?

Führung: Altes Erbe – neue Anforderungen

Natürlich werden die Aufgaben von Führungskräften immer komplexer. Die allfälligen Stichworte wie Digitalisierung, Agilität, Diversität und stetiger Wandel dürfen bei der Analyse nicht fehlen. Da wir es aber mit Menschen zu tun haben – einer Spezies, die ihre Survival-Skills die letzten 2 Millionen Jahre in der Natur erworben hat, – spielen auch andere, eindeutig vordigitale Faktoren eine gewichtige Rolle in der Führung. Während dieser langen Zeit hieß das Zauberwort der erfolgreichsten Art: Empathie.

Weiche Faktoren – harte Fakten

Kein Wunder also, dass aktuelle Führungs-Ratgeber die ‚Beziehung von Mensch zu Mensch‘ in den Mittelpunkt stellen. Tipps wie positiv denken, auf Augenhöhe kommunizieren, auch mal was von sich erzählen und am Gegenüber interessiert zeigen, machen dann die Runde. Zu Recht. Das entscheidende Stichwort lautet hier ‚Gegenüber‘.

Stühle rücken – sich auf den Platz des anderen setzen

Den ‚Gegenüber‘ alleine schon wahrzunehmen ist dabei ein guter Anfang auf dem Weg zur guten Führung. Ihn als Mensch wahrzunehmen ist noch besser. Am allerbesten aber ist, sich auf seinen Stuhl zu setzen, wie Friedemann Schulz von Thun in seinem Standardwerk ‚Miteinander reden‘ sehr schön ausführt.

Diese Technik lässt sich natürlich ganz konkret umsetzen. So etwa im Business Coaching. Für Top-Manager eignet sich Stühlerücken eher als eine Anregung, um sozusagen virtuell im Kopf die eigene Position zu verlassen. Um sich für Augenblicke in die des Gegenübers zu versetzen.

Fazit – ‚Beziehungsweise‘

Die Frage, ob gute Führung Gabe oder Handwerk ist, lässt sich vielleicht so beantworten: Ja, es ist eine Gabe. Denn ein Mindestmaß an etwas, das uns als Mensch auszeichnet, eben das Vermögen, Empathie zu erleben, ist durchaus nötig.

Anderseits auch ja. Denn es gibt Techniken, engagierte Managerinnen und Manager zu unterstützen, das diffuse Gefühl von Wohlwollen, Wertschätzung und Akzeptanz handhabbar zu machen. Stühle rücken ist eine davon.

 

Zur Vertiefung:

  • Friedemann Schulz von Thun, Miteinander reden
  • BEYOND #14, Führungskräfte- und Führungskommunikation