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TikTok: Rising Social Media Star

Wer den Nachwuchs zeitig für seine Marke gewinnen und als zukünftigen Kunden binden möchte, sollte TikTok in seine Social-Media-Strategie aufnehmen.
Thomas Hutter | 16.11.2020
TikTok: Rising Social Media Star © Freepik
 

TikToks Aufstieg seit der Veröffentlichung der App 2018 ist unaufhaltsam. Die Plattform hat sich explosionsartig verbreitet, sodass Facebook „Lasso“ initiierte, Instagram „Reels“ auf den Plan rief und YouTube „Shorts“ das Leben einhauchte. Ein Inhaltsformat ersetzt allerdings keine Plattform, so kann das Netzwerk seine Vorrangstellung als neues Unterhaltungsmedium fortsetzen. Und wer den Nachwuchs frühzeitig für seine eigene Marke gewinnen und als zukünftigen Kunden binden möchte, ist gut damit beraten, TikTok in seine Social Media Strategie mit aufzunehmen.

Der Aufstieg des Netzwerkes lässt sich mit vielen Statistiken untermauern, denn inzwischen hat TikTok Platz 6 der meistgenutzten Sozialen Netzwerke eingenommen. App Annie, einem Anbieter von mobilen Daten und Analysen weist im Januar 2020 aus, dass nur das Facebook Universum mit WhatsApp, Facebook, Facebook Messenger, Instagram sowie WeChat mehr monatliche aktive User vorzuweisen haben. Ohne konkrete Nutzerzahlen in unvorstellbaren Dimensionen aufzuzählen, sollte an dieser Stelle klar werden: TikTok ist kein 4-wöchiger Social-Media-Hype.

TikTok ist inzwischen in über 150 Ländern verfügbar und bewegt sich entgegen der geografischen Dynamik, die man von sozialen Netzwerken kennt. In China kommt TikTok auf 500 Millionen monatliche aktive User. In Indien sind es 120 Millionen und in den USA sind es im August 100 Millionen, was einen Anstieg von 70 Millionen aktiven Nutzern innerhalb von 7 Monaten bedeutet. Die Situation von Covid-19 wird ein entscheidender Faktor gewesen sein. Er hilft aber nicht darüber hinweg, dass TikTok aktuell sehr populär ist.

Die Alterssegmente von TikTok sind jung – jedoch nicht so jung, wie häufig angenommen. Es stimmt, dass hier eine jüngere Zielgruppe vertreten ist. 18-24-Jährige bilden mit etwa 42% die grösste Altersdemografie als junge Erwachsene. Es sind nicht nur die Kids, die sich auf der Plattform unterhalten lassen. Gerade in den letzten Monaten waren es 25-34 sowie 35-44 Jahre alte Personengruppen, die in der App-Nutzung gewachsen sind.

Für Werbetreibende ist es wichtig zu verstehen, wie die Plattform funktioniert. Eine sogenannte Hashtag-Challenge gibt es in der Form auf keiner anderen Plattform. Hashtags sind nicht neu, dass diese allerdings beworben werden können, ist aktuell nur auf TikTok möglich. Die Möglichkeit ist aufgrund der Kosten eines kleinen sechsstelligen Betrags nur grösseren Marken vorbehalten. Die erfolgreichste Kampagne kann aktuell Congstar mit #probierwasgeht und etwa 606 Mio Aufrufen verbuchen. Wer nicht über die Mittel verfügt, versucht seine Herausforderung organisch oder mit Experten und Influencern unter das Publikum zu bringen.

TikTok ist aber mehr als nur Tanzvideos oder Lipsync. Es gibt auf TikTok ebenso viel wissensbasierte Inhalte, die sogenannten Edutainment-Inhalte (Kunstwort aus Education und Entertainment). Im deutschsprachigen Raum könnte es kaum etwas Ungewöhnlicheres oder Naheliegendes geben als zum Beispiel einen Anwalt. Unter «HerrAnwalt» behandelt Tim Hendrik Walter rechtliche Themen, die Schüler beschäftigen. Sein Account ist von Februar bis Oktober um 1,9 Mio auf 2,3 Follower gewachsen. Dies unterstreicht deutlich, welchen rasanten Anstieg TikTok in diesem Jahr genommen hat.

Tiktok bietet noch weitere Werbemöglichkeiten als eine Herausforderung per Hashtag. Werbetreibende mit Zugriff auf die Self-Service-Ad Plattform von TikTok können mit einem Mindestbudget von 50 US-Dollar auf Kampagnenebene starten. Für eine Anzeigengruppe müssen mindesten 20 US-Dollar aufgewandt werden. Um die kleinste Kampagnengrösse über einen Zeitraum eines Monats zu planen, müssen mindestens 600 US-Dollar (20 Dollar x 30 Tage) budgetiert werden.

 

Wer auf TikTok als Werbetreibener aktiv wird, sollte sich vorher mit der Plattform auseinandergesetzt haben. Es reicht nicht aus, irgendein Video aus einer bestehenden Kampagne dort ebenfalls zu platzieren. Diese Versuche haben erste Marken bereits unternommen und haben negatives Feedback dafür erhalten. Es ist unerlässlich sich auf die Plattform einzulassen. Dies gilt eigentlich für alle Social Media Plattformen, in diesem Fall bekommt der Hinweis ein dickes Ausrufezeichen.

Der kometenhafte Aufstieg von TikTok stellt Werbetreibende vor eine neue Herausforderung. Die Geschwindigkeit der Entwicklung im Social Media Bereich hat 2020 eine neue Dynamik erhalten. Die Plattform und ihre Creator stellen eine Form von Inhalt und Unterhaltung ins aktuelle Zeitgeschehen. Wie lange dieser Trend weiter anhält, lässt sich nicht sagen. Wer aber mal im Explorerfeed sich verfangen hat, wird bestätigen können, so schnell wird der Spass nicht enden.


Quellen


Studie Comscore
https://www.adweek.com/digital/tiktok-is-growing-up-and-so-are-its-users/

6-stelliger Bereich:
https://omr.com/de/tiktok-kampagne-mac-pulse-milliarden-views/

Zahlen zur Kampagne
https://onlinemarketing.de/social-media-marketing/hashtag-challenges-tiktok-vormarsch

https://omr.com/de/herr-anwalt-tiktok-tim-hendrik-walter/

https://ads.tiktok.com/help/article?aid=6712393859751477254