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Game Thinking als Game-Changer

Spielen ist Menschensache: Was wir von „World of Warcraft“ lernen können, um Motivation, Co-Kreation und Kreativität zu fördern.
Christine Krimmel | 02.05.2022
Game Thinking als Game Changer © Freepik / DCStudio
 

Ein Fachartikel von Christine Krimmel und Stella Schüler

 

„Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ – schon Friedrich Schiller ging 1795 davon aus, dass Spielen zum Mensch-Sein dazu gehört. Zurück zur Gegenwart: Tatsächlich haben Games ein unterschätztes Potenzial, was unseren heutigen Arbeitsalltag betrifft. In einer zunehmend digitalisierten und automatisierten Welt brauchen wir nicht nur systematische Herangehensweisen, sondern vor allem frisches und kreatives Denken.

„Game Thinking“ befasst sich mit sämtlichen Lösungswegen, die spielerisch ans Ziel führen und darüber hinaus die intrinsische Motivation der Beteiligten steigern. Game-methodische Strategien können für mehr Kreativität, Effektivität und Produktivität am Arbeitsplatz genutzt werden – und sie werden bereits genutzt. Warum also nicht auch von Ihnen?

Alles ist im „Flow“

Seit Veröffentlichung (2004) wurden weltweit mehr als 50 Milliarden Stunden in das Online-Game „World of Warcraft“ investiert. Beeindruckend, oder? Dabei ist davon auszugehen, dass die Mitspieler:innen weder dazu gezwungen, noch dafür bezahlt werden. In anderen Worten: Die Tätigkeit zu Spielen, ist bereits Belohnung genug. Ein damit einhergehendes und wohlbekanntes Phänomen ist „Flow“.

„Flow“ ist ein mentaler Bewusstseinszustand, in dem wir uns einer Tätigkeit voll und ganz hingeben. Ein Hormoncocktail aus Noradrenalin, Dopamin, Endorphin, Anandamid und Serotonin führt dazu, dass wir unser Zeitgefühl verlieren, die Außenwelt ausblenden und uns länger konzentrieren können. Der „Flow-Zustand“ ist nicht von Dauer. Mit den richtigen Game-methodischen Strategien ist es jedoch möglich, dieses Erleben immer und immer wieder in unseren Arbeitsalltag einzubauen. Das ist in jedem Fall wünschenswert: Im „Flow-Zustand“ erreicht unser kreatives Denken eine Steigerung von 400 – 700%, die sogar noch 1 bis 2 Tage danach fortbestehen kann.

Game Thinking – Level 1: Das optimale Spiel kreieren

Um die intrinsische Motivation beim Spielen zu fördern und „Flow-Zustände“ hervorzurufen, gibt es einige erfolgskritische Punkte und die kann man natürlich auch auf das gemeinsame Arbeiten und Denken übertragen.

  • klar formulierte und verbindliche Ziele
  • Fortschritte feiern und reflektieren
  • regelmäßiges Feedback
  • Herausforderungen kontinuierlich schwieriger gestalten
  • ein gewisses Maß an Anstrengung hervorrufen, ohne zu überfordern
  • Selbstwirksamkeit als Voraussetzung für intrinsische Motivation

 

Darüber hinaus können Sie wählen, ob Sie die Aufgabenstellung im Sinne eines „Games“ oder eines „Plays“ gestalten. Ein „Game“ ist strukturiert und in sich geschlossen – ein „Play“ hingegen ist ergebnisoffen. Was die beiden Spielmodi miteinander verbindet, ist die zwanglose Teilnahme und die freiwillige Annahme gemeinsamer Spielregeln. Unter „Playful Work“ versteht man daher eine ergebnisoffene Herangehensweise: Mitarbeiter:innen können ihren Fähigkeiten entsprechend selbst gewählten Projekten nachgehen und Ziele selbst definieren. Je größer die Offenheit, desto höher auch das kreative Potenzial.

Nicht alle Ihrer Mitarbeiter:innen spielen gleich

Nicht jedes Spiel führt gleichermaßen ans Ziel und nicht jeder Spielertypus möchte dieselben Spiele spielen. Es ist daher naheliegend, das unternehmerische „Spielfeld“ differenziert zu betrachten und die Charaktere je nach Fähigkeiten und Vorlieben in das Spiel zu bringen:

  1. Killer: Hier liegt das Hauptmotiv zu dominieren und andere zu besiegen.
  2. Achiever: Benötigt kompetitive Gamemechaniken. Anders als beim „Killer“ geht es hier jedoch um die eigene Leistungssteigerung und nicht darum, andere zu besiegen.
  3. Explorer: Braucht Spielmechaniken, die dem Entdecker- und Forschertrieb gerecht werden.
  4. Socializer: Legt Wert auf Kommunikation und Interaktion mit anderen Mitspieler:innen.

 

Es liegt auf der Hand, dass wir als Menschen nie einem einzelnen Spielertypus unterliegen, sondern eine Mischform darstellen. Stellen Sie sicher, dass Sie in Ihrem Spiel alle unterschiedlichen Spielertypen ansprechen und die Herausforderungen dementsprechend gestalten.

Fazit

Fangen Sie an zu spielen! Anstatt eine Antwort zu suchen, warum etwas zukünftig nicht funktioniert, stellen Sie sich lieber die Frage, was passieren würde, wenn etwas funktioniert. Zensur ist der Killer jedes kreativen Denkprozesses – unsere Zukunft lässt sich in den meisten Fällen nicht vorhersagen, dafür aber immer aktiv gestalten.

 

Quellenangabe:

Michael Baur und Stella Schüler: Playful Work Game Thinking Gamification nur Buzzwords? In: BoD – Books on Demand, Norderstedt

Zitat Schiller: https://www.gutzitiert.de/zitat_autor_friedrich_von_schiller_thema_spiel_zitat_19220.html (2022)