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Die Zukunft des Payments

Welche Bezahlsysteme setzen sich durch? Vom Bezahlen mit Voice über Wearables bis hin zu QR-Code & Co.
Gabriele Braun | 09.04.2021
Die Zukunft des Payments © freepik / Pressmaster
 

Durch die Pandemie und die dadurch erforderlichen Einschränkungen verlagert sich der Verkauf von Waren und Dienstleistungen stark ins Internet. 46 Prozent der Deutschen kaufen inzwischen lieber online gegenüber 43 Prozent, die gerne im Laden einkaufen. Deutschland liegt damit bei der Präferenz des Online-Shoppings in der DACH-Region vor Österreich (40 Prozent) und der Schweiz (26 Prozent). Doch auch Dienstleistungen sind online gefragt: Während 2020 fast jeder der Befragten online Produkte eingekauft hat, wurden auch Dienstleistungen mit bis zu 75 Prozent regional geordert. Das ist ein Ergebnis einer Umfrage von knapp 4000 Konsumenten, die Kantar Sifo zwischen September und Dezember 2020 im Auftrag des europäischen Zahlungsdienstleisters Nets Group erstmals auch für die DACH-Region durchführte und im E-Com Report DACH 2020 vorgestellt wurde.

 

Breiter Zahlungsmix von allen Verbrauchern der DACH-Region gewünscht

Während viele Ergebnisse zeigen, wie nahe sich die Länder der DACH-Region im Einkaufsverhalten sind, so zeichnen sich im Report beim Bezahlverhalten deutliche Unterschiede ab. Die Schweizer und Österreicher setzen beim Online-Shopping am liebsten die Kreditkarte ein; in Deutschland wird bevorzugt mit E-Wallets oder auf Rechnung bezahlt. Was aber in den Befragungsergebnissen alle Länder in puncto Bezahlmethoden vereint, ist die Notwendigkeit, zukünftig den Kunden einen breiten Zahlungsmix anzubieten, weil neben den drei genannten Zahlungsarten in der Region auch gerne per Online-Überweisung, Debitkarte, SEPA-Lastschrift, Mobile Payments, Ratenzahlungen oder Vorkasse bezahlt wird. 26 Prozent der Befragten gaben an, einen Kauf beim Check-out abgebrochen zu haben, weil die bevorzugte Zahlungsmethode nicht wählbar war. Beim Zahlungsmix sollten deshalb die regionalen Bedürfnisse berücksichtigt werden.

 

Rechnung und Vorkasse im B2B

ibi research an der Universität Regensburg hat den B2B-E-Commerce und den Stand der Digitalisierung im deutschen Großhandel untersucht. Im B2B bieten über 80 Prozent der Unternehmen ihren Kunden die Zahlung per Vorkasse (88 Prozent) sowie die Rechnung (83 Prozent) als Bezahlmethode an, danach folgen Lastschrift (71 Prozent), Kreditkarte (68 Prozent) und PayPal (66 Prozent). Das Angebot dieser Verfahren unterscheidet sich nicht merklich von der Unternehmensgröße. Im Leasing und Ratenkauf ist auffallend, dass fast jedes vierte Großunternehmen diese Möglichkeiten anbieten. Kleine und mittlere Unternehmen haben diese deutlich weniger oder kaum im Portfolio, weshalb Experten hier noch einiges Potenzial vermuten.

 

Commerce-Plattformen mit integrierten Zahlungslösungen

Gerade für kleine und mittelständische Händler bieten E-Commerce-Plattformen die Möglichkeit, schnell mit dem Online-Vertrieb zu starten. Zahlreiche E-Commerce-Anbieter haben solche Plattformen im Repertoire.

In Deutschland möchte auch bald Otto in diesem Geschäftsfeld mitmischen. Die gesamte Zahlungsabwicklung soll für Händler und Marktplatzpartner inklusive vieler Möglichkeiten zum flexiblen Rechnungs- und Ratenkauf gesteuert werden. Kunden erhalten zukünftig beim Check-out nur eine Rechnung, unabhängig davon, ob sie ein Produkt von Otto direkt oder bei einem Händler oder Marktplatzpartner erworben haben. Noch fehlt die ausstehende Zustimmung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Im zweiten Quartal 2022 soll die neue Payment-Gesellschaft mit rund 150 Mitarbeitern ihre Aufgaben übernehmen.

In Österreich bietet PayPal eine PayPal-Commerce-Plattform für Händler mit integrierten Zahlungsmethoden und KI-unterstütztem Betrugsschutz an, das ihnen hilft, Abläufe zu optimieren und ihr Geschäft auszubauen. Mit dem neuen PayPal Check-out können Händler nun mit einer einfachen Integration Zahlungen akzeptieren, die mit verschiedenen Zahlungsmethoden wie PayPal, Kreditkarten oder mehr als zehn lokalen Zahlungsmethoden in über 100 Währungen und aus über 200 Märkten weltweit getätigt werden. Damit bieten sie Kunden mehr Flexibilität, so zu zahlen wie sie wollen, und erreichen auch Kunden ohne PayPal-Konto.

Mit der Wahl eines Payment-Anbieters begeben sich die Händler in technologische Abhängigkeiten. Ist der Vertriebskanal einmal aufgebaut, wird es zeitlich und finanziell schwierig zu wechseln. Die Entscheidung sollte also gut überlegt sein. Für Roland Felsenmayr ist für den Erfolg solcher Plattformen die User-Freundlichkeit entscheidend.

 

Voice Commerce

Schnelle und reibungslose Kundeninteraktionen bieten auch Kommunikations-APIs. Sie sind laut Alyssa Mazzina skalierbar, günstig zu gestalten und können unkompliziert in die Customer Journey eingebunden werden. In ihrem lesenswerten Beitrag beschreibt sie sechs erfolgreiche Anwendungsbeispiele von kundenfreundlich gestalteten Bestellabläufen, effizienter Zustellung der Lieferung bis hin zum Aufbau von Kundenvertrauen.

 

Bezahlen mit Wearables

Auch die kontaktlose Bezahlung mit dem Smartphone oder der Smartwatch sind beliebt. Dienste wie Apple Pay oder Google Pay ermöglichen diese Bezahlart. Laut einer Bitkom-Umfrage hat bereits jeder Dritte mindestens einmal auf diese Weise bezahlt, 16 Prozent nutzen Smartphone oder Smartwatch sogar regelmäßig mehrmals pro Woche. Die sichere Identifikation ist bei diesem Bezahlverfahren entscheidend. Eine biometrische Geräteauthentifizierung ist hier schon längst Alltag.

 

Mit QR-Code bezahlen

In China allgegenwärtig: Die Bezahlung per QR-Code. Genutzt werden kann dazu die B2B-Plattform WeChat. Für viele chinesische Unternehmen hat ein WeChat-Profil eine höhere Bedeutung als eine Website, berichtet Eviom. „Besonders beliebt ist der Einsatz von QR-Codes im Online- und auch Offline-Marketing wie z.B. auf Flyern: Hierüber lassen sich einfach neue Konten/Unternehmen und Freunde hinzufügen, Kampagnen bewerben, das Taxi bezahlen oder sogar dem Straßenmusiker eine Spende zukommen lassen.“

 

Livestream Shopping

Ein weiterer Megatrend aus Asien ist Livestream-Shopping. Laut Christian Holsing verspricht dieser Trend Unternehmen enorme Umsatzpotenziale. Besonders bei der jungen Zielgruppe in Asien kommt das neue Format gut an. Lösungen von Instagram, Facebook und Co. werden zum Weihnachtsgeschäft 2021 erwartet. In Deutschland sind Tchibo und Douglas Vorreiter. Sie streamen mehrfach in der Woche Produkte und Kunden können direkt einkaufen.

 

Einsatz von Blockchain und Kryptowährungen

Bereits 2019 hat Porsche das Blockchain-gestützte Bezahlen von Parkgebühren getestet. „Ihr Auto zahlt alle Gebühren fürs Parken oder die Maut von Maschine zu Maschine (M2M, Machine-to-Machine) selbstständig. Jede Transaktion wird in einer Blockchain sicher, dezentral und verschlüsselt auf vielen Servern (Nodes) gleichzeitig gespeichert. Die Nodes überwachen sich gegenseitig. Eine Blockchain braucht darum keinen Intermediär, der diese Sicherheit bietet“, beschreibt Jörg Eugster den Einsatz dieser Technologie

 

5G und Augmented Reality als Treiber

Mit 5G kommen im Shopping ganz neue Möglichkeiten hinzu. Die Hochgeschwindigkeitstechnologie wird das Einkauferlebnis wesentlich verändern. In Kombination mit Augmented Reality wird der Einkauf noch persönlicher. Was schon jetzt möglich ist, beschreibt Frank Puscher in seinem lesenswerten Beitrag.