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Die anhaltende Anziehungskraft des E-Mail-Marketings

Jenseits der neuesten Buzzwords gibt es aber einen Marketing-Klassiker, der eine erstaunliche Anpassungsfähigkeit zeigt: Die E-Mail.
Michael Diestelberg | 04.11.2021
Die anhaltende Anziehungskraft des E-Mail-Marketings © freepik
 

Obwohl oft abgeschrieben, ist die E-Mail fünfzig Jahre nach ihrer Erfindung durch Ray Tomlinson beliebter als je zuvor. Trotz der ständigen neu aufkommenden Marketing-Trends und den damit verbundenen Kanälen, wächst die Zahl der E-Mail-Nutzer stetig. Prognosen zufolge soll sie 2023 auf 4,3 Mrd. Nutzer angewachsen sein (Statista). Zum Vergleich: Das entspricht etwa der Hälfte der Weltbevölkerung. Die E-Mail ist also aufgrund ihrer anhaltenden Attraktivität ein wirksames Tool für ein regelmäßiges, kosteneffizientes Customer Engagement. Wie können Marketer E-Mail-Marketing smart in den Marketing-Mix integrieren?

Mobile, Mobile, Mobile

“Mobile First”, lautet das Stichwort. Die Formatierung von E-Mails für mobile Geräte ist ein Muss, denn 50 % der heutigen E-Mail-Marketing-Kampagnen werden auf mobilen Endgeräten geöffnet (Litmus Juni 2021). E-Mails, die nicht für mobile Geräte optimiert sind, laufen Gefahr, die Bounce-Rate aufgrund einer schlechten Benutzererfahrung exponentiell zu erhöhen! Für praktisch jede Zielgruppe gilt also der Mobile-First-Ansatz, und Marketing-E-Mails sollten vorrangig für Mobilgeräte erstellt werden. Daher ist schon in der Konzeptionsphase einer Kampagne, die Erstellung einer Version für mobile Endgeräte unerlässlich.

Wichtig zu wissen ist: Ein mobilfreundliches E-Mail-Design kann durch Templates einmalig definiert werden und funktioniert immer gleich – unabhängig davon, welches mobile Endgerät den Inhalt anzeigt. Mobile-Designs beinhalten ein einfaches Navigationsmenü, statische Inhalte und Bilder, mit der entsprechenden Komprimierung. Zudem sind Unternehmen mit einer mobilfreundlichen Landing-Page immer gut beraten.

Millennials lieben E-Mails 

Es ist ein Wert, der überraschen dürfte: Nach einer Umfrage von YouGov beginnen 44 % der Millennials zwischen 10 und 14 Jahren mit der Nutzung von E-Mails. 60 % geben an, dass sie über diesen Kanal am liebsten von Marken angesprochen werden. Obwohl Millennials als echte Digital Natives mit Social Media und Messengers aufwachsen, bevorzugen sie den digitalen Kommunikationsklassiker. Denn E-Mails sind für Millennials in der Wahrnehmung kein „veralteter“ Kanal. Sie sind nicht genervt von einer Vielzahl an E-Mails via Marketing-E-Mail-Abonnements, wie vielleicht ältere Generationen.

Marken, die sich beim E-Mail-Marketing durch kreative und auf die Zielgruppe genaustens abgestimmte Templates abheben, erzielen mehr Wirkung und Aufmerksamkeit. Neben der authentischen und erfrischenden Personalisierung geht es zudem darum, auch die jeweiligen Kunden-Interessen präzise und genau abzubilden.

Kunden und Nutzer zu kennen ist also das A und O im Marketing. Werbetreibende kommen nicht mehr darum herum, eine Customer Experience-Strategie zu implementieren, um wichtige Kunden-Insights zu generieren und weiterhin erfolgreich am Markt zu bestehen. Dennoch geben in einer internationalen Umfrage von Forrester Consulting im Auftrag von Mapp 53 % der Marketing-Entscheider an, nicht in der Lage zu sein, Kunden auf der eigenen Website zu identifizieren. Dabei liegt einem erfolgreichen Marketing immer eine valide Datenerhebung sowie die präzise Auswertung der richtigen Insights der First-Party-Daten zugrunde. Denn erst mit den richtigen Kunden-Insights kann eine Verbindung zwischen Marke und Nutzer entstehen, die Markenbindung und Umsatz steigert.

Instagram und E-Mails – It´s a Match!

Kaum ein Social-Media-Kanal eignet sich besser für E-Mail-Marketing als Instagram. Und das liegt nicht nur an der perfekten Einbindung des Instagram-Logos in den E-Mail-Body inklusive Link zum Instagram-Account des Unternehmens, sondern auch an den vielen verschiedenen Feature-Möglichkeiten, die die App Werbetreibenden bietet, um Klick- und Conversion-Raten zu erhöhen: Fotos im Instagram-Style, Coupon-Verwendung, Direct-Link zum Social-Shop und viele Features mehr.

Zudem kann das Engagement auf dem eigenen Account durch E-Mail-Marketing unterstützt werden. Gerade bei reichweitenstarken Accounts läuft geposteter Content Gefahr, im Feed nicht gesehen zu werden. Um mehr Engagement auf beispielsweise eine Social-Media-Werbeaktion zu generieren, können Marketer das Posting in eine E-Mail einbetten, damit die Zielgruppe auf einem zusätzlichen Kanal über die Aktion informiert wird. Auch hierbei ist wichtig zu beachten: Der Content muss auf den E-Mail-Empfänger ausgerichtet und personalisiert sein.

„It´s a Match“ – Instagram und E-Mail-Marketing ergänzen sich hervorragend, denn sie sorgen im Zusammenspiel für eine dauerhafte Bindung der Zielgruppen. Richtig eingebunden, stärkt die E-Mail das Engagement von Social-Media-Aktivitäten und unterstützt bei der Verbreitung.

TikTok ist nicht nur für junge Menschen

Das TikTok eine der spannendsten Neuzugänge im Social-Media-Mix ist, braucht sicherlich nicht betont zu werden. Die Nutzer des beliebten Social-Media-Anbieters sind lange nicht mehr nur aus der Generation Z und Y. Mittlerweile tummeln sich Menschen sämtlicher Jahrgänge und sogar Politiker im TikTok-Kosmos. So ist es auch für Marketer an der Zeit, TikTok ernst zu nehmen und als zusätzlichen Kanal auf dem Radar zuhaben, denn der Social-Media-Newcomer wird dabei immer mehr zu einer Content-Plattform, die analog zu Instagram auch komplementär zur E-Mail ist.

TikTok als Video-App, die auf nutzergenerierten Inhalten basiert, bietet hier vor allem auch Entertainment-Mehrwerte und erhöht damit auch das Engagement der Nutzer. Ähnlich wie bei Instagram, können auch hier Inhalte aus der App in das E-Mail-Marketing integriert werden

In E-Mail-Kampagnen eingebundene TikTok-Videos oder Video-Links erhöhen die Aufmerksamkeits-Wahrscheinlichkeit und fördern das Engagement auf dem eigenen Social-Media-Kanal. Denn Kunden werden mit Hilfe der E-Mail-Ansprache auf einem zusätzlichen Kanal ermutigt, mit einer Marke auf TikTok zu interagieren. Dabei sollten Marketer bei der Einbindung von TikTok-Content auch immer auf nutzergenerierte Inhalte und Personalisierung achten.

Warum sich die DSGVO positiv auf das E-Mail-Marketing auswirkt

Die Zeiten, in denen E-Mail-Adressen in ominösen Listen von Adresshändlern gerieten, sind zum Glück vorbei. Seit dem Inkrafttreten der DSGVO-Regelung ist klar, für die Zusendung von Marketing-E-Mails benötigen Werbetreibende eine Einwilligung des Empfängers. Dies hat E-Mails als Marketing-Tool substanziell aufgewertet, denn der ganze „Noise“, der in der Vergangenheit als Spam in der Inbox erzeugt wurde, hat drastisch abgenommen.

Auch sind E-Mail-Adressen, deren Besitzer Marketing-Aktivitäten zugestimmt haben, besonders wertvolle Kontakte. Denn der Empfänger signalisiert mit seiner Einwilligung ein echtes Interesse an der Marke, dem Produkt oder der Dienstleistung. Daher sollten Marketer Nutzer-Einwilligungen für E-Mail-Marketing als Earned Media sehen, die stärkere Kundenbeziehungen ermöglichen. Hinzu kommt, der durch Corona befeuerte E-Commerce wird immer wichtiger und wertet die klassische E-Mail-Werbung wieder auf. Denn bei jeder Transaktion erhalten Kunden mehrere E-Mails zum Bestell- und Lieferungsvorgang. Mittlerweile verzichten viele Unternehmen sogar darauf, die Rechnung in Papierform beizulegen und übermitteln diese nur noch digital.

Die E-Mail ist unverzichtbar

Auch fünfzig Jahre nach ihrer Erfindung ist die E-Mail ein zentraler Bestandteil der digitalen Kommunikation und stellt im Dialogmarketing ein effizientes, kostengünstiges Marketing-Tool dar. Mit der dynamischen Entwicklung der E-Commerce-Branche steigt die Relevanz der E-Mail signifikant und stützt, richtig im Marketing-Mix integriert, das Engagement der eigenen Social-Media-Kanäle. So entwickelt sich die E-Mail von einem totgesagten Kommunikationsweg hin zu einem unerlässlichen Marketing-Tool. Dabei gilt: “Mobile First“, E-Mail-Marketing im engen Zusammenspiel mit den relevanten Social-Media-Kanälen zu betreiben und die Vorgaben der DSGVO als Chance zu betrachten.