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Mit Storylistening im Unternehmen Vielfalt erzählbar machen

Storylistening veranschaulicht die Werte des Unternehmens. Nach außen bieten die Geschichten spannendes Erzählpotenzial für Social Media.
Miriam Rupp | 15.09.2022
Mit Storylistening im Unternehmen Vielfalt erzählbar machen © Kindel Media on Pexels
 

Schon immer liebten Menschen Geschichten. Sowohl sie zu erzählen als ihnen gefesselt zuzuhören. Früher wurden Abenteuer in Höhlen an die Wände gemalt oder Gruppen setzten sich um ein Lagerfeuer, um Lehren, Mythen und Ereignisse mit den Mitmenschen zu teilen. Heute gießen wir unsere Erzählungen in Formate wie Buch, Film, Podcast oder Virtual Reality. Ob Fiktion oder Realität, jeder Mensch steckt voller Geschichten und damit auch jedes Unternehmen. Um diese Anekdoten und Erlebnisse der Mitarbeitenden ans Tageslicht zu bringen, eignet sich Storylistening - noch konkreter Corporate Campfire Sessions, wie die Autorin dieses Beitrags mit ihrem Team kreiert hat.

Ziel ist es, eine Stimmung zu kreieren, bei der die Mitarbeitenden sich öffnen und von eigenen Geschichten und ihrer Heldenreise erzählen. Die hierbei geteilten, authentischen Storys tragen dann dazu bei, versteckte Potenziale und Leidenschaften der Kolleg:innen zu entdecken, Vielfalt erlebbar zu machen und Werte zu kommunizieren.

Das Wir-Gefühl durch Lagerfeuerstimmung stärken

In Unternehmen bestehen Teams aus unterschiedlichen Persönlichkeiten. Während sich die Menschen im Privatleben aussuchen können, mit wem sie befreundet sind, ist das im Arbeitsalltag normalerweise nicht der Fall. Storylistening kann hierbei eine große Wirkung entfalten, wenn ein sicherer Rahmen dafür geschaffen wird. Dafür sind Zeit, Empathie und Vertrauen nötig. Indem Führungskräfte sich selbst, aber auch ihrem Team Freiräume für solche Maßnahmen schaffen, fühlen sich die Mitarbeitenden gehört und wertgeschätzt. Dies ist bereits die erste Grundvoraussetzung für Offenheit. Wenn die Kolleg:innen anhand ihrer persönlichen Heldenreise Erfahrungen, Hindernisse, Erfolge, Wünsche und Visionen teilen, lernt sich das Team auf einer neuen Ebene kennen. Erzählungen, was für Erkenntnisse sie durch eigene Fehlschläge erlangt haben, schweißen beispielsweise zusammen und stärken das Wir-Gefühl innerhalb einer Firma.

Es hat einen sehr großen Effekt auf den Zusammenhalt, wenn man gemeinsam Hürden und Unsicherheiten aufarbeitet sowie persönliche Erfolge Revue passieren lässt. Dadurch entwickeln wir erst wirklich ein gegenseitiges Verständnis füreinander und können unterschiedliche Blickwinkel einnehmen.

Vom Alltag ins Storylistening – Werte verbinden

Der Kern eines jeden Unternehmens sind die Werte, die es nach innen und außen vertritt. Sie sind der Ausgangspunkt einer jeden Storylistening-Session und bringen den erzählerischen Ball ins Rollen. In welchen konkreten Momenten kamen oder kommen die Grundsätze im Alltag zum Tragen? Bei manchen Teilnehmer:innen schießt die Antwort sofort heraus. Andere brauchen vielleicht einen Moment länger. Im besten Fall können aber alle Mitarbeitenden ein Beispiel dazu nennen. Letztlich macht Storylistening diese abstrakten Wertvorstellungen einer Firma greifbar – sie bekommen durch die persönlichen Erfahrungen der Kolleg:innen Gesichter. Unternehmensintern können diese Geschichten zum Beispiel in Form von Podcasts, als Zitate in Onboarding-Guides oder im Newsletter verewigt werden. Nach außen hin bieten sie spannendes Erzählpotenzial für die Karriereseite auf der Website, in den sozialen Medien oder sogar für die Pressearbeit. So tauchen auch Kund:innen und potenzielle Bewerber:innen in die Welt der eigenen Organisation ein.

Vielfalt auf den zweiten Blick – Potenziale entdecken und fördern

Egal, ob eben erst eingestellt oder schon seit Dekaden an Board: Die Kolleg:innen einer Firma brummen wie ein Bienenstock mit Themen, die ihnen wichtig sind. Indem ihre Herzensangelegenheiten, Überzeugungen und spannenden Geschichten aus ihnen herausgekitzelt werden, fühlen sich die Angestellten gehört. Durch die geteilte Offenheit können so unerwartete Interessen und Gemeinsamkeiten zum Vorschein kommen. „Vielleicht erfahren langjährige Kolleg:innen voneinander, dass sie eine Leidenschaft für Karaoke, mexikanisches Essen oder Tauchgänge in der Karibik teilen. Eventuell schlummern auch Event-Planungs-Talente oder Hobby-Bastler:innen im Team, die ihre Fähigkeiten einbringen können? Genauso können aber auch Schicksalsschläge oder nicht offensichtliche körperliche Beeinträchtigungen zutage treten und Rücksichtnahme fördern“, berichtet die Autorin. Durch den direkten Austausch beim Storylistening kommt jedes Detail der Anekdote echt und ungefiltert an.

Emotionen zulassen und als gestärkte Gemeinschaft voranschreiten

Aufregung, Wut, Hoffnung ­– echte Geschichten stecken immer voller Gefühle. Unsere Sessions zeigen, dass die Teilnehmer:innen unserer Corporate Campfires regelrecht mit den Erlebnissen der Mitstreiter:innen mitfiebern. Sie können gar nicht anders, denn sie sind emotional in die Story involviert und setzen sich infolgedessen viel intensiver mit ihr auseinander. Leidenschaft steckt bekanntlich an, sodass Kolleg:innen auch selbst zu Erzähler:innen werden. Wenn Firmen erkennen, dass ihre Mitarbeitenden und ihre Geschichten im Mittelpunkt stehen, prägt und stärkt das die gesamte Organisation. Jede:r Einzelne bringt seine oder ihre ganz eigenen Erlebnisse und Fähigkeiten mit ins Unternehmen und sollte daher auch eine eigene Bühne bekommen, diese zu teilen. Am Ende können schließlich alle von der Vielfalt profitieren und die entdeckten Potenziale und Passionen im Arbeitsalltag eingesetzt werden.