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Eine Welt ist nicht genug – warum das Silicon Valley am Metaverse arbeitet

Das Metaverse verspricht die digitale Zukunft für immer zu verändern. Doch wer es verstehen will, muss seinen Blick in das Silicon Valley richten.
Yannik Sulzbacher | 20.01.2022
Eine Welt ist nicht genug – warum das Silicon Valley am Metaverse arbeitet © Freepik
 

Die Älteren können sich vielleicht noch daran erinnern, wie sie in der virtuellen Welt von Second Life mit anderen Nutzern Abenteuer erlebten und sich die Nächte um die Ohren schlugen. Als das Videospiel 2003 auf den Markt kam, löste es einen regelrechten Hype aus. Neu war die Idee der virtuellen Welt jedoch nicht. Bereits 1992 veröffentlichte der Autor Neal Stephenson den Roman „Snow Crash“, in dem Avatare in einem dreidimensionalen Raum existierten. Was damals als anarchokapitalistische Dystopie gedacht war, nehmen sich jetzt die Tech-Konzerne des Silicon Valley zum Vorbild. Am 28. Oktober 2021 verkündete Mark Zuckerberg auf der hauseigenen Konferenz Connect nicht nur das Rebranding von Facebook zu Meta, sondern auch den Aufbau eines Metaverse.

Im Anschluss dessen wurden viele Kommentare geschrieben, die entweder auf die Gefahren eines Metaverse hinwiesen oder den neuen virtuellen Raum als gigantische Marktchance feierten. Wer jedoch verstehen möchte, was hinter dem Phänomen Metaverse steht, muss seinen Blick ins Silicon Valley richten.

Wie eine ungleiche Vergemeinschaftung für den Erfolg des Silicon Valleys sorgte

Heute steht das Silicon Valley als Synonym für technologischen Fortschritt und Disruption, doch diese Stellung hat sich der Ort erst in den vergangenen Jahrzehnten erarbeitet. Ausschlaggebend für den heutigen Erfolg war eine kuriose Melange aus freiheitsliebenden Hippies und libertären Unternehmern in den 1980er-Jahren. Mit ihrem gemeinsamen Misstrauen gegenüber dem Staat und der Überzeugung, dass Technologie der Schlüssel zu einer besseren Welt sei, bildeten sie die Grundlage für die Kultur, die noch heute im Silicon Valley vorherrscht und es so erfolgreich macht. Seitdem hat die digitale Revolution für eine grundlegende Veränderung der Verhältnisse gesorgt. Die wertvollsten Unternehmen der Welt sind Technologiekonzerne und Soziale Medien sind aus unseren vom Smartphone beherrschten Leben nicht mehr wegzudenken.

Der Glaube an den technologischen Fortschritt

An der Speerspitze dieser Entwicklung stehen die technologischen Eliten des Silicon Valleys und überschlagen sich mit revolutionären Ideen. Manche sind eher Schein, wie beispielsweise die Neuerfindung des öffentlichen Nahverkehrs von Elon Musk, andere haben das Potenzial, unser Leben für immer zu verändern. Wer die Vision Zuckerbergs als unrealistische Zukunftsträumerei abtut, ignoriert den technologischen Fortschrittsglauben, welcher dem Silicon Valley inhärent ist.

Kaum ein Beispiel fängt diesen besser ein als der Kampf gegen das Altern. Die Liste der Milliardäre, die in die Anti-Aging-Forschung investieren, liest sich wie das „Who is Who“ des Silicon Valleys. Da ist Jeff Bezos, der das Start-up Unity Biotechnology unterstützt. Als Konzernchef von Google unterstützte Larry Page zunächst das Start-up Calico und nahm es nach der Umstrukturierung von Google zu Alphabet Inc. als Tochterunternehmen in das Firmenportfolio auf. Auch Mark Zuckerberg, Sergey Brin (einer der Mitgründer von Google), Larry Ellison (Mitgründer von Oracle) und Peter Thiel, der als Mitgründer von PayPal und früher Investor von Facebook reich wurde, investieren in Technologien, die dem Tod ein Schnippchen schlagen sollen.

Das Metaverse – eine digitale Utopie?

Nun folgt mit dem Metaverse das neue Prestigeprojekt des Silicon Valleys. Eine digitale Parallelwelt, in der wir unser Erscheinungsbild frei wählen können und nicht mehr an undurchdringbare Naturgesetze gehalten sind. Die Vorteile einer solchen Welt bringt die Pandemie tagtäglich zum Vorschein. Es ist nicht weniger als der Aufbau einer Parallelwelt, was das Metaverse verspricht.

Das Metaverse verheißt ein gewaltiges Marktpotenzial. Bloomberg erwartet schon für 2024 ein Marktvolumen von 800 Milliarden US-Dollar. Das macht das Metaverse lukrativ für Unternehmen. Doch eine von Tech-Konzernen wie Meta kontrollierte virtuelle Welt birgt auch Gefahren. Ohne demokratische Kontrolle besteht die Gefahr, dass virtuelle Existenzen per Mausklick ausgelöscht werden. Unser virtueller Zwilling steht damit außerhalb unseres Einflussbereichs. Die Alternative ist ein dezentral organisiertes Metaverse, das dem Individuum Freiheiten garantiert, ohne es zum Spielball privater oder staatlicher Kräfte zu machen.

 

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Über Yannik Sulzbacher

Yannik Sulzbacher ist Redakteur der marketing-BÖRSE. Als Soziologiestudent interessiert er sich für Themen, die Marketing und Gesellschaft verbinden.

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